Patienten im Wachkoma e.V.

Ergotherapie

Nach einer erworbenen Schädel-Hirn Verletzung, die zum sog. Wachkoma führt, fehlen den Patienten genaue Informationen über Körperstellung, Körperbegrenzung und ihrer Umwelt. Auch das Verständnis für Bewegungsabläufe fehlt.

Die Aufgabe und das Ziel der Ergotherapie ist es, die verloren gegangenen sensorischen (spüren, sehen, hören- Gleichgewicht); kognitiven (Aufmerksamkeit, Orientierung, Konzentration, Kommunikation); und motorischen (passive und aktive Gelenkbeweglichkeit, Koordination, Rumpfkontrolle, Gleichgewicht) Fähig- und Fertigkeiten wieder herzustellen, zu fördern und zu erhalten.

Eine Möglichkeit  der direkten Kontaktaufnahme mit dem Patienten ist eine feste eindeutige Berührung seitlich der Schulter.

Die Begrüßung und Verabschiedung sollte als feste Größe am Anfang und Ende einer jeden Therapie stehen, so dass der Patient sich darauf einrichten kann und nicht das Gefühl bekommt überrumpelt oder überrascht zu werden. Das Begrüßungs- und Verabschiedungsritual führt zur Wiedererkennung und drückt gleichzeitig den Respekt vor der Lebenssituation des Patienten aus.

Eines der wichtigsten Ziele ist die Wiederherstellung der Kopfhaltung und die Kopfbeweglichkeit. Die Kopfhaltung  ist für unsere  Raum- und Körperwahrnehmung verantwortlich!

Die Patienten neigen überwiegend ihren Kopf zur linken oder rechten Seite, so dass ihr Kopf von der Kopfstütze gehalten wird. Diese Kopfposition führt zu einer Veränderung des Hörens und somit zu einer Veränderung der Verarbeitung von Klang, Bewegung und Seheindrücken.

Durch sanfte passiv geführte Bewegungen des Kopfes werden die einzelnen Bogengänge im Innenohr (Gleichgewicht) und die okuläre Muskulatur (Seh/Auge) stimuliert; diese agieren dann gemeinsam mit den Rezeptoren der Tiefensensbilität in der Nackenmuskulatur und steuern die Kopfbeweglichkeit, Stabilität und Mobilität des Körpers.

Eine weitere Aufgabe der Ergotherapie ist die Förderung der aktiven Bewegungen durch Hemmung pathologischer Muster und Anbahnung physiologischer Bewegungsabläufe; Tonusregulation und Kontrakturenprophylaxe aller Gelenke zur Vorbeugung und Verhinderung dauerhafter Muskelverkürzung; Verknöcherung oder Verwachsungen. Wichtig ist es, den Patienten in jedem Behandlungsverlauf die Zeit zu geben, geführte Bewegungsabläufe, das neu Erfühlte und Erspürte sinnvoller Handlungsreize und die neue Situation zu verarbeiten.

Ein zusätzlicher Baustein für die Ergotherapie bietet der EasyStand; ein multifunktionales Therapiegerät mit dem es möglich ist, den Patienten durch eine körpergerechte angepasste Positionierung physiologisch aufzurichten. Ein Treffen auf Augenhöhe zwischen Patient und seinen Mitmenschen (Angehörigen, Pflegepersonal, Physiotherapeutin,  Ergotherapeutin, Logopädin u.v.m.) ist erstmals möglich.

Mit der Aufrichtung werden Körperbegrenzung, Gleichgewicht, Aufmerksamkeit, Orientierung, Vigilanz, Atmung und Stoffwechsel gezielt trainiert.

Der Patient ist sichtbar entspannt und ein langes hörbares Ausatmen deutet zusätzlich auf ein Sich- Wohlfühlen hin.

Die Beratung und Einbeziehung der Angehörigen in den individuellen Therapieverlauf ist selbstverständlich.

Multidisziplinäre Teamarbeit wirkt sich positiv auf den Behandlungsverlauf und deren Therapieziele aus.

Die Hilfsmittelberatung, die Schienenversorgung und die Rollstuhlanpassung sind wichtige Elemente der Ergotherapie.

Ramona Wiemann, Ergotherapeutin

 

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