Was bedeutet es, wenn ein Mensch im Wachkoma liegt? Diese Frage stellen sich die meisten Angehörigen, wenn sie die Diagnose hören. Hier werden die wichtigsten Begriffe kurz umrissen, damit Sie sich ein Bild von "unseren" Patienten machen können.
Koma ist eine ungewöhnlich tiefe Betäubung oder ein tiefer Schlaf, der entweder durch eine schwere Krankheit oder als Folge einer schweren Schädel-Hirnverletzung auftritt. Medizinisch wird Koma mit „Bewußtlosigkeit“ gleichgesetzt. Eine Bewußtlosigkeit ist nach moderner Auffassung nicht einfach ein organischer Ausfall von Bewußtseinsfunktionen, sondern stets auch eine seelische Antwort auf die Gewalteinwirkung. Koma ist kein passiver Zustand, sondern eine aktive, bis auf tiefste Bewußtseinsebenen zurückgenommene Lebenstätigkeit. Koma hat Schutzfunktion und ermöglicht es den Betroffenen, ganz bei sich selbst zu sein. Koma in diesem Sinne ist eine extreme, höchst empfindsame, verletzliche und damit auch schutzbedürftige Lebensform am Rande zum Tode. Koma ist damit aber zugleich nicht einfach nur Ausdruck einer Krankheit, also „pathologisch“, sondern zugleich möglicher Ausgangspunkt einer neuen Lebensentwicklung, also eine sinnvolle Lebensform. Im Koma drücken sich destruktive und produktive Momente und Dimensionen eines Menschen mit einer stets einzigartigen Lebensgeschichte aus. Dies ist unbedingt zu berücksichtigen. In der Regel wird die Tiefe des Komas an der Reaktion auf Reizangebote und Stimulationen abgelesen.
Die drei wichtigsten Komastufen sind:
Ein Herzinfarkt, Schlaganfall oder Unfälle sind die häufigsten Ursachen für ein Wachkoma. Kinder sind genauso betroffen wie Jugendliche, Erwachsene und Senioren. Etwa 10.000 Menschen fallen jährlich ins Wachkoma. Das ist ein Leben in einer Zwischenwelt - zwischen Leben und Tod. Ein Zustand der Bewußtlosigkeit, der sich Jahre hinziehen kann. Das Wachkoma oder „Apallisches Durchgangs-Syndrom“ ist ein schlafähnlicher Zustand mit offenen Augen: Der Patient ist zwar wach, kann sich aber nicht äußern, zeigt keine sinnvollen Reaktionen, er schaut ins Leere. Die Menschen nehmen ihr Umfeld wahr - können es aber nicht zuordnen. Viele Ärzte geben diese Patienten zu früh auf, fordern für sie ein humanes Sterben. Wissenschaftlich ist jedoch bewiesen: Es gibt ein Zurück aus dem Wachkoma.
Durch eine individuelle Therapie, frühzeitige Reha-Maßnahmen und vor allem durch liebevolle Zuwendung der Bezugspersonen könnte die Hälfte aller Patienten zum Aufwachen motiviert werden. Etwa 30 Prozent der Aufgewachten können ihr normales Leben wieder führen. Nicht einmal 40 Prozent der Menschen, die in ein Wachkoma fallen, bekommen die Chance einer Besserung, weil keine Rehabilitationsmaßnahmen für sie eingeleitet werden. Wir setzen uns daher dafür ein, dass diese Menschen nicht zu schnell aufgegeben werden. Sie müssen ihre Chance, wieder aufwachen zu können, erhalten, bevor man eine Entscheidung über ihren Lebensweg trifft.
In seiner ursprünglichen Bedeutung wird unter einem apallischen Syndrom ein Erlöschen des Selbstbewußtseins und der Kontaktfähigkeit im Gefolge einer schweren Schädel-Hirnverletzung oder eines Sauerstoffmangels im Gehirn verstanden. Die Steuerungsfähigkeit des Gehirns ist in Folge doppelseitiger Ausschaltung der Großhirnrinde durch Unterbrechung der Verbindungen zwischen Großhirn und Hirnstamm ausgefallen. Meist wird auch von einem sogenannten Wachkoma gesprochen: der Patient liegt mit offenen Augen da und weist auch einen Schlaf-Wach-Rhythmus auf, ist jedoch aus eigener Kraft zu keinerlei Kontaktaufnahme mit seiner Umwelt fähig, obwohl manchmal bereits vegetative und emotionale Reaktionen erfolgen. Im entwickelten Stadium besteht zwar eine stabile Atmung, die Beweglichkeit ist aber infolge einer allgemeinen Muskeltonuserhöhung (Spastik) weitgehend eingeschränkt. Nicht selten wird die Erkrankung daher auch als „vegetativer Zustand“ bezeichnet. Mit dieser Bezeichnung wird nahegelegt, die Lebensform dieser Kranken als „primitiv“, „pflanzliches Leben“ oder – wie im Nationalsozialismus geschehen und heute leider immer noch vorkommend – als „sinnlose Hülle“ oder „lebensunwert“ zu bewerten. Dies ist jedoch inhuman und unethisch. Menschen im Wachkoma brauchen keine Sterbehilfe; sie sind weder Sterbenskranke noch „Hirntote“; sie brauchen Lebenshilfe!
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