Im Therapiezentrum des PIW herrscht stetige Aktivität: Patienten stehen und üben gegebenenfalls das Gehen, sie trainieren am "Fahrrad" und werden logopädisch, physio- und ergotherapeutisch behandelt. Die für die Patienten mitunter harte Arbeit zahlt sich oft aus: Das Ziel, Katheter, Trachealkanülen und Ernährungspumpen abzutrainieren und die Anzahl der Medikamente auf das Nötige zu reduzieren, erreichen wir bei ca. 95 Prozent unserer Patienten. Angehörige werden in die Pflege eingebunden und darauf vorbereitet, zu Hause selbst für ihren Patienten sorgen zu können.
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| Stehen: tägliche Aufgabe für unsere Patienten. | Radfahren ist ebenso wichtig für den Kreislauf der Patienten. | Logopädin Mechthild Glunz - Dauergast im PIW. |
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| Radfahren: wichtiger Baustein bei der Arbeit mit den Patienten. |
Wir wollen die Patienten in ein möglichst normales Alltagsleben zurückführen. Dazu gehört auch, die Welt nicht nur aus der Liege- und Sitzposition heraus zu betrachten. Für gesunde Menschen ist Stehen und Gehen Alltag, für unsere Patienten bedeutet das Stehen-Üben nach oftmals sehr langen Liegezeiten ein neues Lebensgefühl. Wenn die Füße auf festem Boden stehen, sendet der Körper Impulse von unten nach oben – anders als im Sitzen oder Liegen. Im Stehen wird der Kreislauf aktiviert, Gleichgewicht und Muskulatur werden trainiert.
Zunächst einmal dient das "Fahrradfahren" am Bewegungstrainer dazu, den Kreislauf zu aktivieren und die Beinmuskulatur zu stärken. Wir stellen beim Einsatz des Bewegungstrainers eine Aktivierung der Magen-, Darm- und Blasentätigkeit fest – schädliche Nebenwirkungen können ausgeschaltet werden. Langfristig wird durch den Bewegungsablauf der Stoffwechsel aktiviert, der Kreislauf stabilisiert, die Hirntätigkeit gefördert, das Immunsystem gestärkt und durch eine erhöhte Sauerstoffsättigung im Blut der Gesamtzustand gefestigt.
Liebe und Zuwendung gehören zu den wichtigsten Komponenten für eine Therapie. Zuwendung ist der Schlüssel zum Aufwachen – welchen Anreiz könnte ein Mensch haben, sich anzustrengen und den Weg in unsere Bewusstseinswelt zu finden, wenn nicht die Liebe eines anderen Menschen? Unsere Patienten stehen meist zwischen zwei Welten, zwischen Leben und Tod. Sie entscheiden letztendlich selbst, wohin sie gehen.
Basale Stimulation ist eine pflegerische Möglichkeit zur Förderung wahrnehmungsgestörter Menschen, die in den 70-er Jahren entdeckt wurde. Mit Hilfe des Stimulationskonzeptes erhalten schwerst- und mehrfachbehinderte Patienen Möglichkeiten einer Persönlichkeitsförderung. Wenn diese Therapieform auch bei der Arbeit mit geistig und körperlich behinderten Kindern entstanden ist, so besitzen die hierbei gültigen Prinzipien dennoch grundlegende und allgemeingültige Bedeutung für Menschen aller Altersstufen, für Kranke und Gesunde. Bei entsprechender Aufarbeitung ist dieses Konzept in hervorragender Weise geeignet, die therapeutische Relevanz der Krankenpflege zu belegen.
Basal bedeutet hier ein grundlegendes Angebot an den Körper und die Sinne. Der Patient nimmt wahr, und zwar insgesamt. Um zu erreichen, dass er über die Wahrnehmung hinaus auch wieder Anteil nimmt an seiner Umgebung, können diverse Maßnahmen angewandt werden, die über ein oder mehrere Sinnesorgane greifen:
Zunächst muss das Vertrauen zwischen der pflegenden Person und dem Patienten geschaffen werden. Dies geschieht beispielsweise über Hautkontakt – durch die Vermittlung des Gefühls der Sicherheit und der Geborgenheit entsteht bei dem Patienten das nötige Vertrauen, die Einheit zwischen Körper und Geist wieder herzustellen.
Wichtig dabei ist: Der komatöse Patient kann von sich aus nichts tun, da die Steuerungsfähigkeit des Gehirns ausgefallen ist. Es wird daher versucht, die einzelnen Funktionen wie z.B. Bein- oder Armbewegungen neu zu "programmieren". Dies geschieht durch das Umkehren der Funktion: Das Bein wird bewegt, das Gehirn registriert dies und nimmt die wahrgenommenen Gefühle bei der Bewegung auf. So kann eine Neuprogrammierung der motorischen Bewegungsabläufe des Körpers stattfinden.
In dem Bemühen, ständig weitere Erkenntnisse aus der Bezugspflege einzusetzen, hat der Verein mit selbst gesammelten Spendengeldern schon fünf Kindern, die ins Wachkoma gefallen sind, einen USA-Aufenthalt zur Teilnahme an einer Delfintherapie finanziert. Von Delfinen gehen akustische Stimulationen aus, die sich in bestimmten Frequenzen abspielen. Die positiven Wirkungen dieser, für Menschen unhörbaren Schallwellen, sind verblüffend und bedürfen wissenschaftlicher Aufklärung. Bei allen von uns geförderten Kindern, die in Florida an der Delfintherapie teilnahmen, konnten wir positive Veränderungen/Verbesserungen feststellen.
Dies ist für PIW eine Herausforderung für die Zukunft, denn hier stellen sich Fragen, die dringend beantwortet werden müssen:
PIW versucht, mit der Teilnahme an verschiedenen wissenschaftlichen Versuchsreihen Antworten auf noch nicht beantwortete Fragen rund um das Thema "Wachkoma" zu erhalten. Erfolge der Forschung gibt es immer wieder. So konnte nachgewiesen werden, dass mit Musiktherapie des gesamten Klangspektrums in Verbindung mit Bewegungsabläufen die Auflösung einiger Blockaden erreicht werden konnte, an denen "normale" Schultherapien scheitern. Durch spektralanalytische Messungen erkennt der Therapeut dabei individuell, wie durch bestimmte Frequenzen in Verbindung mit Zuwendung und Bewegungen Reaktionen der Patienten erkannt und die Auflösung von Blockaden erreicht werden können.
Zur Intensivierung der gewonnenen Erkenntnisse wurde vor einiger Zeit ein Programm entwickelt, in dem Töne mit rund 130 verschiedenen Instrumenten in unterschiedlichen Intervallen Frequenzen erzeugen, die an Patienten akustisch und per Vibration übertragen werden. Dafür wurde im Auftrag von PIW ein Klangstuhl mit individuellen Klangkörpern entwickelt. Über Kopfhörer und Körperkontakt bewirken die Klänge, Töne und Laute – in bestimmten Oktaven wiedergegeben - Veränderungen in der Aufmerksamkeit, beim Blutbild, dem Puls, der Gesichtsfarbe und der Mimik der Patienten. Bestimmte Töne lösen sogar wiederholbare Reaktionen wie Kau- oder Schluckbewegungen aus; eine Reduzierung der "Spastik", Sprechversuche sowie eine Veränderungen der Kopfhaltung konnten erreicht werden.
Auch Licht und Farbe spielt eine elementare Rolle bei der Entwicklung eines Menschen. Der Gedanke dahinter: Komapatienten, die das, was um sie herum passiert, nicht zuordnen können, brauchen eine Starthilfe für eine Synchronisation der Sinne. Bei der Klang und Lichttherapie von PIW können die Patienten Töne gleichzeitig hören, fühlen und sehen. Dadurch wird eine Koordination der Sinne erreicht. Die erstaunlichen Reaktionen der Patienten auf die Therapie ermutigen uns, auf diesem Wege weiter zu entwickeln und zu forschen. Alle Erkenntnisse werden dabei sorgfältig dokumentiert und wissenschaftlich begleitet. Eine visuelle wissenschaftliche Begleitung über das Internet ist der nächste Schritt.
"Berührungen Im Licht" ist eine Intensivtherapie für notleidene Menschen mit schwersten Traumatisierungen, Menschen im Wachkoma oder im apallischen Durchgangssyndrom. Sie bietet eine reelle Chance, diese Not zu lindern. Die meisten der Patienten werden wohl nicht mehr ins normale (Arbeits-)Leben zurückfinden. Es gibt aber auch Menschen, die durch dieses Therapieprojekt praktisch aus dem Koma erwacht sind, wie der im Jahre 2004 bekannt gewordene Fall von Benjamin Jung aus Siegen. Er galt als austherapiert und geht heute wieder arbeiten.
Doch auch bei den weniger spektakulären Fällen erfahren die Patienten eine weitgehende Verbesserung des körperlichen und psychoemotionalen Zustandes. Kauen, Schlucken, Verdauen, Atmen, das Kreislaufsystem, die koordinierte Bewegung und – ganz wichtig – die Kommunikation werden verbessert. Viele Patienten können mit dieser Therapie erstmals wieder Lebensfreude erfahren: ein Zeichen des hergestellten Wohlbefindens.
Neueste Erkenntnisse in der Traumaforschung erklären, wie das Zentralnervensystem (hier v.a. das Vegetativum) durch das Traumaerleben in einer Übererregung erstarrt. Viele Probleme der Patienten sind also nicht organisch, sondern funktionell bedingt. Sie können mit dem richtigem Verständnis der traumaspezifischen Abläufe im zentralen Nervensystem gelöst werden. "Berührungen Im Licht" verbindet also eine spezifische Beratung und Einübung mit einer kombinierten Körper-Wasser-Klang-Licht- und Trauma-Therapie. PIW e.V. kann durch Kooperationen eine sehr kostengünstige Intensivbehandlung Schwersttraumatisierter anbieten. Hilfreich bei dieser Therapieform ist abermals die enge Einbindung der (z.T. pflegenden) Angehörigen, da deren Fortschritte mit denen der Patienten eng verbunden sind.
Hoffnung ist nicht dasselbe wie die Freude darüber, daß sich die Dinge gut entwickeln. Sie ist auch nicht die Bereitschaft, in Unternehmen zu investieren, deren Erfolg in naher Zukunft absehbar ist. Hoffnung ist vielmehr die Fähigkeit, für das Gelingen einer Sache zu arbeiten. Hoffnung ist auch nicht dasselbe wie Optimismus. Sie ist nicht die Überzeugung, daß etwas klappen wird, sondern die Gewißheit, daß etwas seinen guten Sinn hat – egal, wie es am Ende ausgehen wird. Diese Hoffnung alleine ist es, die uns die Kraft gibt zu leben und immer wieder neues zu wagen, selbst unter Bedingungen, die uns vollkommen hoffnungslos erscheinen. Das Leben ist viel zu kostbar, als daß wir es entwerten dürften, indem wir es leer und hohl, ohne Sinn, ohne Liebe und letztlich ohne Hoffnung verstreichen lassen.
(Vaclav Havel)
Klinische, psychologische und wissenschaftliche Untersuchungen der vergangenen Jahre weisen eindeutig darauf hin, dass das apallische Syndrom kein defektiver Endzustand, sondern - häufiger als früher angenommen - als ein Zwischenstadium bei der Entwicklung neuen Lebens aus dem Koma, als sogenanntes Durchgangssyndrom in Erscheinung treten kann. Bei frühzeitiger intensiver Zuwendung und Kommunikation lassen sich nicht selten die schweren Formen eines apallischen Syndroms vermeiden, oder seine Zeichen treten nur in flüchtiger Form auf. Auch wurde nachgewiesen, dass Menschen im apallischen Syndrom offenbar nicht nur sensorische Stimulationen und menschliche Stimmen wahrnehmen, sondern auch auf einfache Weise Reaktionen erlernen können.
So ist beispielsweise in englischen und amerikanischen Studien nachgewiesen worden, dass über 50 Prozent der Kranken durch eine frühe multisensorische Stimulation später wieder sozial re-integriert werden können. Vor allem in familiärer und häuslicher Umgebung können selbst noch nach Jahren erstaunliche Entwicklungsfortschritte gemacht werden, die die Betroffenen selbständiger und pflegeunabhängiger machen und die Angehörigen entlasten.
Inzwischen gibt es gute Erfahrungen damit, auch Schwerbehinderte mit familiärer Unterstützung und Computerhilfe zur Kommunikation und selbständigen sprachlichen Verständigung zu befähigen. So lässt sich mit aller Vorsicht sagen, dass das gefürchtete „Steckenbleiben“ im apallischen Syndrom oft mehr als Folge fehlender sensorischer Anregung, Kommunikation und Teilhabe am sozialen Dialog angesehen werden kann und weniger als alleiniges Resultat einer Hirnschädigung.